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Ziele der Elternarbeit

Im Kontext der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft verfolgen Erzieher/innen und Lehrer/innen folgende Zieldimensionen bzw. Teilziele:

(1) Information und Austausch: Eltern und Erzieher/innen bzw. Lehrer/innen tauschen sich über Entwicklung und Verhalten des jeweiligen Kindes in Familie, Kindertageseinrichtung und Schule, über (besondere) Bedürfnisse desselben und über ihre Erziehungsziele und -stile aus. Dabei geht es auch um die wechselseitige Abstimmung erzieherischer und bildender Handlungen gegenüber dem Kind. Die Erzieher/innen informieren die Mütter und Väter über die pädagogische Arbeit in der Kindertageseinrichtung und die ihr zugrunde liegende Konzeption, die Lehrer/innen über ihren Unterricht und den Lehrplan. Die Eltern geben den Fach- bzw. Lehrkräften einen Einblick in die Lebenswelt "Familie" und das Verhalten ihres Kindes in Gleichaltrigengruppen.

(2) Stärkung der Erziehungs- und Bildungskompetenz: Die Erzieher/innen und Lehrer/innen machen deutlich, dass Eltern bei der Erziehung und Bildung von Kindern eine wichtige Rolle spielen - auch wenn sie arbeitslos, arm oder zugewandert sind. Sie informieren Mütter und Väter über die kindliche Entwicklung und Erziehung, über ein entwicklungsförderndes Verhalten und eine sinnvolle Hausaufgabenbetreuung sowie über altersgemäße Beschäftigungsmöglichkeiten, Spiele, Bücher, Bildungsangebote etc. Die Fach- bzw. Lehrkräfte weisen Migrantenfamilien darauf hin, dass ihre Kinder von Anfang an bilingual aufwachsen, also so früh wie möglich die deutsche Sprache lernen sollten und dass die Eltern die bilinguale Sprachentwicklung durch entsprechende Medien unterstützen sollten. Aber auch durch das "Hineintragen" von in der Kindergruppe bzw. Klasse behandelten Themen in die Familie beeinflussen Erzieher/innen und Lehrer/innen die dort ablaufenden Bildungsprozesse.

(3) Beratung der Eltern und Vermittlung von Hilfsangeboten: Bei Erziehungsschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen, schlechten Deutschkenntnissen, Sprachstörungen und (drohenden) Behinderungen des Kindes tauschen sich Erzieher/innen, Lehrer/innen und Eltern über die Ursachen aus und suchen gemeinsam nach Lösungen. Sollten die Probleme nur in der Familie auftreten, sind die Fach- bzw. Lehrkräfte beratend tätig. Dies gilt auch - in begrenztem Rahmen - bei allgemeinen Familienbelastungen wie z.B. Trennung, Scheidung, Armut oder psychischer Erkrankung eines Elternteils. Bei Bedarf einer längeren Beratung, bei Notwendigkeit besonderer therapeutischer Maßnahmen für das Kind, bei Ehe- und Familienproblemen etc. stoßen die Erzieher/innen und Lehrer/innen jedoch sowohl vom Zeitaufwand als auch von ihrer Qualifikation her schnell an ihre Grenzen. Sie sollen dann die Eltern über einschlägige Fachdienste informieren und sie motivieren, deren Hilfs- und Beratungsangebote zu nutzen.

 

 

(4) Mitarbeit: Erzieher/innen und Lehrer/innen sollen Müttern und Vätern das aktive Miterleben des Alltags in der Kindertageseinrichtung bzw. Schule ermöglichen. Auf diese Weise können Eltern am Modell der Fach- bzw. Lehrkraft lernen, wie man Kinder richtig erzieht und bildet. Interessierte Eltern können auch in die pädagogische Arbeit bzw. in den Unterricht eingebunden werden, also Bildungsangebote und Projekte durch ihren Input bereichern.

(5) Beteiligung, Mitverantwortung und Mitbestimmung: Erzieher/innen und Lehrer/innen sollen Müttern und Vätern die Möglichkeit geben, Erziehungs- und Bildungsziele auf der Gruppen- bzw. Klassenebene im Rahmen von Vorgaben wie Bildungs- und Lehrplan mitzuprägen. Ferner soll die Elternschaft auf der institutionellen Ebene an wesentlichen Angelegenheiten der Kindertageseinrichtung bzw. Schule beteiligt werden. Dazu können die Elternvertreter/innen motiviert werden, Elterninteressen auszuloten, sich als Sprachrohr der Eltern einzubringen und Vorschläge zur Verbesserungen des Leistungsangebots zu unterbreiten.

(6) Vernetzung von Familien, Kindertageseinrichtungen und Schulen: Erzieher/innen und Lehrer/innen sollen den Gesprächs- und Erfahrungsaustausch zwischen Eltern sowie Beziehungen und gemeinsame Aktivitäten von Familien fördern. Auf diese Weise wird die wechselseitige Unterstützung von Familien, die Hilfe zur Selbsthilfe, gefördert. Insbesondere sollen die Fach- und Lehrkräfte sozial benachteiligte Familien und Migranteneltern durch gezielte Ansprache und Angebote einbinden. Angezielt wird auch die Integration von familienrelevanten Angeboten anderer Institutionen in die Kindertageseinrichtung bzw. Schule, also z.B. von Familienbildungsstätten, Erziehungsberatungsstellen und Jugendämtern.

Nicht alle Ziele der Elternarbeit können auch nur annähernd erreicht oder gar zur Zufriedenheit aller erfüllt werden. Eine Schwerpunktsetzung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Eltern, Erzieherinnen und Lehrer/innen sowie der örtlichen Gegebenheiten ist anzustreben.

Dr. Martin R. Textor
IPZF